KI und Interaktion zum Menschen

Als Psychologe beschäftige ich mich täglich mit der Interaktion zwischen Mensch und Technik. Und ehrlich gesagt – die Begegnungen zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz sind oft ein wenig wie ein erstes Date. Anfangs herrscht große Begeisterung, schnell gefolgt von Ernüchterung und gelegentlichen Missverständnissen. Was dabei herauskommt, ist meistens eine Mischung aus Faszination, Frustration und Humor. 


Lassen Sie uns gemeinsam einen psychologischen Blick auf diese ungewöhnliche Beziehung werfen. 


Es heißt oft: „Technik (und damit auch KI) macht keine Fehler.“ Doch genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis. KI macht durchaus Fehler – sogar ziemlich spektakuläre. Wenn ich Siri frage, ob ich heute einen Regenschirm brauche, und sie antwortet: „Das Wetter in Sydney ist sonnig bei 28 Grad“, dann klingt das zwar beneidenswert, hilft mir aber in Bamberg nur begrenzt. Überraschenderweise liegt die Ursache solcher Fehler selten in der KI selbst, sondern darin, wie wir Menschen mit ihr umgehen. Wir erwarten Präzision, kommunizieren aber oft mehrdeutig oder unvollständig. KI kann eben keine Gedanken lesen – zumindest noch nicht. 


Das führt uns direkt zu einer zweiten wichtigen Erkenntnis: KI-Systeme sind sozialer, als wir denken. Sie spiegeln oft menschliche Verhaltensweisen und sogar unsere Schwächen wider. Ich selbst erwische mich manchmal dabei, mich höflich bei Alexa zu bedanken. Warum mache ich das? Vermutlich, weil wir dazu neigen, soziale Muster auf technische Systeme zu übertragen. Es entsteht eine Art Beziehung – eine soziale Illusion –, die psychologisch betrachtet enorm faszinierend, aber auch trügerisch sein kann. Denn am Ende des Tages empfindet Alexa keine Dankbarkeit, und mein höfliches Verhalten verbessert nicht ihre „Laune“. 


Und hier kommt die dritte Überraschung: KI fordert uns nicht technisch, sondern vor allem psychologisch heraus. KI verlangt von uns ein Umdenken, nämlich die klare Unterscheidung zwischen echten sozialen Beziehungen und technischer Assistenz. Unsere Fähigkeit, diese Grenze zu ziehen, beeinflusst entscheidend, ob die Interaktion produktiv oder frustrierend wird. 

Deshalb möchte ich Ihnen abschließend drei Thesen anbieten, die uns helfen sollen, zukünftig besser mit KI zu interagieren:

 

These 1: 

Wir sollten von KI nicht erwarten, menschlich zu sein – sondern besser darin werden, sie als das zu akzeptieren, was sie ist: ein leistungsfähiges, aber letztlich emotionsloses Werkzeug. 


These 2: 

Die Interaktion mit KI wird erst dann wirklich effektiv, wenn wir uns selbst besser verstehen lernen: Wenn wir erkennen, warum wir dazu neigen, Maschinen zu vermenschlichen und Erwartungen an sie zu stellen, die sie gar nicht erfüllen können. 


These 3: 

Die entscheidende Herausforderung der Zukunft liegt nicht darin, Künstliche Intelligenz intelligenter zu machen, sondern uns Menschen intelligenter im Umgang mit ihr. 

Und wenn das gelingt, dann könnte das nächste „Date“ mit Siri, Alexa oder ChatGPT nicht nur erfolgreicher, sondern sogar überraschend angenehm verlaufen.  

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