Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz verschiebt sich der Engpass moderner Arbeits- und Entscheidungssysteme fundamental. Während in frühen Phasen der Digitalisierung vor allem technisches Spezialwissen zur Entwicklung und Implementierung von Software gefragt war, rückt heute zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie KI sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll in menschliche Arbeits- und Lebenswelten integriert werden kann. Diese Verschiebung ist weniger eine technologische als eine psychologische und organisationale Herausforderung. Aus Sicht der Arbeits- und Organisationspsychologie lässt sich KI als Bestandteil soziotechnischer Systeme verstehen, in denen Technik, Mensch und Organisation untrennbar miteinander verwoben sind. Die Leistungsfähigkeit solcher Systeme wird nicht allein durch die algorithmische Qualität bestimmt, sondern maßgeblich durch menschliche Wahrnehmung, Vertrauen, Kompetenzzuschreibung und Entscheidungsverhalten. Empirische Forschung ...
Gerrymandering bezeichnet die gezielte Manipulation von Wahlkreisgrenzen mit dem Ziel, Wahlergebnisse systematisch zugunsten bestimmter politischer Akteure oder Parteien zu beeinflussen. Während das Phänomen in der Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft vor allem als institutionelles oder verfassungsrechtliches Problem diskutiert wird, eröffnet eine psychologische Perspektive ein tieferes Verständnis seiner Wirksamkeit, Persistenz und demokratischen Sprengkraft. Aus psychologischer Sicht handelt es sich bei Gerrymandering nicht nur um eine formale Verzerrung politischer Repräsentation, sondern um eine subtile Form der Kontextgestaltung, die Wahrnehmung, Motivation, Vertrauen und politisches Verhalten nachhaltig beeinflusst. Kognitionspsychologisch wirkt Gerrymandering primär über die Unsichtbarkeit seiner Mechanismen. Wahlkreiszuschnitte sind für die meisten Bürgerinnen und Bürger abstrakt, technisch und kaum intuitiv nachvollziehbar. Dadurch entziehen sie sich einer spontanen Allt...